Hochschulgebäude am Campus Röntgenring

Geodätisches Kolloquium am 16.11.2018 an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt

16.11.2018 | Meldung
Digitales Bauen - BIM nicht ohne Geodäten

Building Information Modeling – dieses hochaktuelle Thema bildete den fachlichen Schwerpunkt des diesjährigen Geodätischen Kolloquiums an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. BIM wird derzeit als methodischer Ansatz im Zuge der Digitalisierung des Planens und Bauens in Deutschland etabliert.

BIM zielt auf einen kooperativen Planungsprozess, in dem alle Beteiligten sukzessive die geometrischen Informationen in einem gemeinsamen 3D-Modell vereinigen und dieses mit weiteren (Fach-) Daten wie z. B. Material, Lebensdauer, Kosten und sonstigen Eigenschaften ergänzen. Um die Effizienz im gesamten Projekt hinsichtlich Kosten, Zeit und Material zu erhöhen, soll eine durchgängige Anwendung der BIM-Methode über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerkes erreicht werden.


Im ersten Fachvortrag („3D-Bestandsmodelle durch die Geodäsie“) warfen Claus Fischer und Andreas Rupp aus dem Hause Angermeier Ingenieure GmbH einen vermessungstechnischen Blick auf das Thema „Digitales Bauen“. Die Erfassung, Modellierung und Visualisierung von Bestandsobjekten gehört zu den Kernkompetenzen der Geodäten – der digitale Datenfluss von der Aufnahme zum 3D-Modell ist seit vielen Jahren gelebte Realität. Dieses Modell liefert in der BIM-Methodik die geometrischen Informationen zu Beginn des Planungsprozesses. Bei entsprechend geeigneten Projekten setzt Angermeier Ingenieure für die Punktwolkenerfassung auf ein mobiles Mapping-System: mit dem „NavVis M6“ kann ein einzelner Operateur auch Innenbestandsaufnahmen großer Objekte schnell und effektiv realisieren. Neben den geometrischen Zusammenhängen müssen aber auch Objekteigenschaften dokumentiert und in das Modell eingepflegt werden. In einer „Live-Demo“ konnten die Teilnehmer ins BIM-Modell eintauchen.

Lars Neubauer erläuterte im zweiten Fachvortrag, wie sich ein mittelständisches Bauunternehmen (Otto Heil GmbH & Co. KG) mit ca. 240 Mitarbeitern dieser Thematik nähert. Im Baubereich wurde „erst planen, dann bauen“ bislang immer nur für einzelne Bauwerksphasen realisiert („baubegleitende Planung“). Die BIM Methode ist hier nicht nur ein Wechsel der Arbeitsmittel, sondern der gesamten Arbeitsmethodik. „Closed BIM” vs. „open BIM” „little BIM“ vs. „big BIM“: diese Schlagworte beschreiben das Maß der Zusammenarbeit bei der Verwendung von Software bzw. definieren die Vernetzung der am Bau beteiligten Akteure in Bezug auf das Datenmodell – es gibt also nicht nur „ein BIM“. Fazit von Lars Neubauer: keine Software ist zu 100% IFC kompatibel, ohne eigene Stammdaten (z. B. Kalkulationsgrundlagen) geht es nicht. Bis zum 7D-BIM, in dem neben dem 3D-Modell auch Zeit, Mengen, Baukosten, Ressourcen, Lebenszyklusaspekte und Gebäudenutzung Eingang finden, ist es in der Baupraxis – zumindest in Deutschland – noch ein weiter Weg.

Ein fester Bestandteil des Geodätischen Kolloquiums ist die Prämierung herausragender Abschlussarbeiten. Der Verein Deutscher Vermessungsingenieure (VDV) würdigte die Bachelorarbeit von Frau Julia Knöttner („Trennung von parkenden und am Verkehr teilnehmenden Fahrzeugen basierend auf einer automatischen Verkehrserfassung aus Luftbildern“). Für die Bayerische Vermessungsverwaltung überreichte der Vizepräsident des LDBV Ferdinand Roßmeier gleich zwei Auszeichnungen. Victor Streit erhielt die Ehrung für seine „Untersuchung einer GPS-Hard- und Softwarelösung im Low-Cost-Bereich“. Nicki Weimert wurde für ihre Arbeit „AED-Kataster für die Stadt Würzburg“ belohnt. Der Harbert Buchpreis wird vom Deutschen Verein für Vermessungswesen an den Jahrgangsbesten verliehen. Andreas Kubenka (ALE Unterfranken) überreichte die Auszeichnung an Ramona Schnepf.

Das Geodätische Kolloquium ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des Studienbereichs Geo (FHWS) und der Fachverbände DVW Bayern, VDV und IGVB.