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Geodätisches Kolloquium 2015 an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt

20.11.2015 | Meldung
Trog, Tunnel oder Brücke – kein Problem für Geodäten: Ausbau der A3 am Würzburger Katzenberg

Im fachlichen Mittelpunkt des diesjährigen Kolloquiums stand ein Bauprojekt, dessen mögliche Ausbauvarianten (Tunnel, Brücke und/oder Trog) die Gemüter im Großraum Würzburg heftig erregt hat. Im Fokus des Kolloquiums standen die ingenieurtechnischen Fragestellungen.

Aus der Perspektive des Bauherren wurde das Projekt von Andreas Hecke (Autobahndirektion Nordbayern) vorgestellt. In seinem Beitrag "Ausbau der BAB A3 bei Würzburg – eine Kapazitätserweiterung im städtischen Umfeld" wurden die verkehrspolitischen Rahmenbedingungen dargestellt und bautechnische Fragestellungen erörtert. Wie Herr Hecke berichtete, wurden im Rahmen der Planungsphase 17 unterschiedliche Varianten untersucht. Realisiert wird eine Kombination aus Trog, Tunnel und Brücke. Geplant wird mit einem Kostenvolumen von insgesamt ca. 220 Mio. EUR und einer Gesamtbauzeit von 7 Jahren.

Ein Einblick über die bei diesem Bauprojekt anfallenden vermessungstechnischen Aufgaben- und Problemstellungen war Gegenstand des zweiten Vortragblocks, der von drei Referenten bestritten wurde. Michael Amrhein – Geschäftsführer der Angermeier Ingenieure GmbH – referierte über die Vermessungsarbeiten zur Errichtung der Talbrücke Heidingsfeld. Die Stahlverbundbrücke hat eine Länge von 630 m, die höchsten Brückenpfeiler haben eine Höhe von 50 m über Grund. Die breite Palette der anfallenden Vermessungsleistungen beinhaltet z. B. Urgeländeaufnahmen, die Anlage eines spannungsfreien Brückennetzes, Bestandsaufnahmen, Mengenermittlungen, Absteckarbeiten sowie Setzungs- und Deformationsmessungen.

Mit der Fahrbahnerneuerung ist die Fa. Leonhard Weiss beauftragt. Stefan Stahl leitet hier ein Team von 12 Vermessungsfachleuten und berichtete über "Vermessungsstrategien in der Bauausführung" aus Sicht einer ausführenden Baufirma.

Das Referenten-Trio "Ingenieurvermessung" komplettierte German Hüfner von der A.I.T. GmbH. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand das Aufgabenpaket "Bauüberwachung Vermessung". Wesentlicher Bestandteil ist auch hier das objektpunktbezogene Festpunktfeld.

Gemeinsame Quintessenz aller drei Referenten aus der Ingenieurvermessung: vermessungstechnische Grundlagen und Notwendigkeiten müssen dem Auftraggeber immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden.

Der fachliche Informationsaustausch ist nur eine der Zielsetzungen des Geodätischen Kolloquiums. "Networking" der Fachleute und Erfahrungsaustausch zwischen Hochschule und Praxis sind ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Veranstaltung. In diesem Kontext informierte Frau Prof. Dr. Daniela Wenzel über den an der FHWS im aktuellen Wintersemester gestarteten neuen Bachelorstudiengang Geovisualisierung. Mit einer Erstsemesterzahl von 45 Studierenden wurden die diesbezüglichen Erwartungen weit übertroffen.

Die Würdigung herausragender Studienleistungen von Absolventen des Studiengangs Vermessung und Geoinformatik gibt ebenfalls einen Einblick in das Hochschulgeschehen. Der VDV ehrte die Abschlussarbeit von Stanislav Baum und Philipp Grümpel ("Untersuchung von 3D-Laserscannern zur Abmessung begehbarer Deckflächen auf Megayachten in Kombination mit einem Lasertracker"). Herr Marius Röder wurde für seine Abschlussarbeit "Konzeption und geometrische Bewertung der flächenhaften Berechnung von DOM aus Luftbildern" von der Bayerischen Vermessungsverwaltung ausgezeichnet. Aus dem Bereich Ländliche Entwicklung wurde die "Realisierung von Dorferneuerungsprojekten in Autodesk Civil 3D" von Tobias Mand und Quirin Schreyer honoriert. Der Harbert Buchpreis des DVW geht traditionsgemäß an den Jahrgangsbesten, ausgezeichnet wurde Herr Martin Spielberger.

Das Geodätische Kolloquium ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des Studiengangs Vermessung und Geoinformatik (FHWS) und Fachverbänden (DVW Bayern, VDV und IGVB).